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Inhalatives Colistin bei Bronchiektasen und Pseudomonas-aeruginosa-Infektion

Haworth, CS et al., 12. Oktober 2024 - Bei Personen mit Bronchiektasen-Erkrankung ist eine chronische Infektion der Lunge mit Pseudomonas aeruginosa mit einem erhöhten Exazerbations- und Mortalitätsrisiko assoziiert. Zwei Phase-3-Studien (PROMIS-I und PROMIS-II) untersuchten die Wirksamkeit und Sicherheit einer 12-monatigen Behandlung mit inhalativem Colistin, das mit dem Vernebler (I-neb) verabreicht wurde.
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Fazit

PROMIS-I zeigte einen klinisch relevanten und signifikanten Effekt der zweimal tägliche Anwendung von inhalativem Colistin auf die Exazerbationsrate bei Patient*innen mit Bronchiektasen und P.-aeruginosa-Infektion. Dieser Effekt ließ sich in der von der Pandemie beeinträchtigten Studie PROMIS-II nicht replizieren. Die Autor*innen betonen, die PROMIS-Studien unterstützten insgesamt dennoch die Empfehlung zur Antibiotikainhalation bei Patient*innen mit Bronchiektasen und häufigen Exazerbationen.

Die globale Studiengruppe PROMIS um Charles S. Haworth vom Cambridge Centre for Lung Infection der Universitätsklinik von Cambridge führte die Studien randomisiert, doppelt verblindet und Placebo-kontrolliert durch. Für die Studien wurden Patient*innen mit Bronchiektasen-Erkrankung und P.-aeruginosa-Nachweis rekrutiert, die im vorangegangenen Jahr wegen mindestens 2 Exazerbationen orale Antibiotika oder wegen einer Exazerbation intravenöse Antibiotika benötigt hatten. Die Randomisierung zur Colistin- oder Placebogruppe erfolgte stratifiziert für das Studienzentrum und die Langzeitanwendung von Makroliden. Colistin oder Placebo wurden in identisch aussehenden Gefäßen für die zweimal tägliche Verneblung im I-neb geliefert. Visiten im Verlauf waren nach 1, 3, 6, 9 und 12 Monaten vorgesehen. Primärer Endpunkt beider Studien war die mittlere jährliche Exazerbationsrate.

Ergebnisse

Im Rahmen der Studie PROMIS-I wurden 377 Patient*innen randomisiert, 177 in die Colistin-, 200 in die Placebo-Gruppe. Die modifizierte Intention-to-Treat-Population (ITT-Population: Teilnehmende, die mindestens einmal die Studienmedikation erhalten hatten) bestand für die Effektivitätsanalyse aus 176 Patient*innen in der Colistin- und 197 in der Placebo-Gruppe. Die jährliche Exazerbationsrate lag in der ITT-Analyse in der Colistin-Gruppe bei 0,58, in der Placebo-Gruppe bei 0,95. Das entsprach einer signifikanten 39%igen Reduktion des Risikos für eine Exazerbation durch die Colistin-Inhalation (Rate Ratio [RR] 0,61; 95% Konfidenzintervall [KI] 0,46–0,82; p=0,0010).

Während die Studie PROMIS-I noch weitgehend unbeeinflusst von der SARS-CoV-2-Pandemie beendet werden konnte, reichte die Rekrutierungsphase der Studie PROMIS-II in die Pandemie hinein (Februar 2018 bis Oktober 2022). Zudem wurde die Rekrutierung von Patient*innen nach Bekanntwerden der positiven Ergebnisse der Studie PROMIS-I schwierig. Die modifizierte ITT-Population bestand aus insgesamt 287 Patient*innen (Colistin-Gruppe: n=152; Placebo-Gruppe: n=135). Schließlich wurde die Studie aufgrund der Pandemie vorzeitig beendet. Ein Unterschied der jährliche Exazerbationsrate ließ sich nicht zeigen (Colistin: 0,89; Placebo: 0,89; RR 1,00; 95% KI 0,75–1,35; p=0,98).

Unterschiede in der Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen (UE) in Colistin- und Placebo-Gruppe traten nicht auf (PROMIS-I: 81% vs. 81%; PROMIS-II: 81% vs. 77%). Auf die Studienmedikation zurückzuführende Todesfälle gab es in beiden Studien nicht.